04 BASSPARTS

Die Teile. Im Detail.

Bevor ich das Paket auspacke: Was ist da eigentlich drin – und warum ist es drin? Auf den grundsätzlichen Gestaltungsrahmen „Precision“ hatte ich mich ja schon früh festgelegt. Und auf einen einzigen Online-Shop für die Zusammenstellung der Teile auch. Doch jetzt wird’s kleinteilig – denn für alle Elemente des Bausatzes gibt es ziemlich viele Optionen. Aber der Reihe nach.

Wie viele Saiten?

Ich habe zu Schulzeiten klassischen Unterricht auf einem viersaitigen Kontrabass gehabt – und so ziemlich alle meine E-Bass-Helden spielen Viersaiter. ’Nuff said.

Wie viele Pickups?

Der klassische Preci hat einen Splitcoil-Pickup. Reicht.

Welches Holz für den Body?

Esche oder Erle? Die Frage habe ich mir von BassParts.de beantworten lassen: „Wir empfehlen Erle, weil Esche doch sehr schwer ist.“ Danke, gerne!

Welches Holz für den Hals?

Bei BassParts.de gibt es Ahorn-Hälse mit Palisander- oder Ahorn-Griffbrett. Über den Einfluss der Materialwahl auf den Bass- und Gitarren-Sound gibt’s übrigens viele Meinungen und Thesen. Auch wissenschaftliche. Die Diskussion darum wird sehr leidenschaftlich geführt. Mir egal – ich mag die Palisander-Optik lieber. 😉

Welche Brücke?

Auch hier gibt es eine große Auswahl und eine preisliche Range von 18 bis knapp unter 100 Euro. Ich entscheide mich für eine Variante der legendären BadAss-Bridge, die von göldo music gefertigt wird.

Welche Mechaniken?

Zitat BassParts.de aus der Beschreibung der Basshälse: „geeignet für Boston J-style Mechaniken, 4 links, mit kleiner Platte“ – check!

Pickguard oder kein Pickguard?

Ich mag zwar Holzoptik und ein Pickguard verdeckt viel davon. Aber der klassische Preci hat ein Pickguard. Dafür braucht die Rückseite des Bodys dann auch keine Fräsung für ein Elektrikfach und bietet Holzoptik pur.

Welcher Pickup?

Replacement-Pickups für Precis gibt’s von so ziemlich jedem relevanten Hersteller. Ich hätte sogar noch einen alten, den ich aus meinem Fender Jazz Bass Special fretless* habe ausbauen lassen (und gegen einen Seymour Duncan habe austauschen lassen). Ich möchte das alte PJ-Paar meines Fretless aber nicht trennen und für den neuen Bass lieber einen neuen PU. BassParts.de bietet Pickups von HÄUSSEL, DELANO und KLUSON an. Ich entscheide mich für einen Häussel mit großen Magneten für „mehr Punch, Höhen und Bässe“ – klingt gut!

Welche Elektrik?

Ich habe keinen Lötkolben. Aber dafür hat Richter eine Lösung.

Welche Farbe der Hardware?

Grundsätzlich gibt’s da meist Chrom, Gold oder Schwarz zur Auswahl. Ich entscheide mich für durchgängig schwarze Hardware. Warum? Weil es vernünftig ist. Sagt Neil Gaiman: „It’s a sensible colour. It goes with anything. Well, anything black.“

Was noch?

Hier die vollständige Liste aller bestellten Teile:

Und jetzt?

Genau. Viel Spaß beim Zusammenbauen – aber erstmal alles auspacken!  Bis bald!

 

*Mein Fender Jazz Bass Special fretless. Anfang der 90er gebraucht von Wolfgang Wolle Geier gekauft, der ihn  schon fundamental  überarbeitet hatte (Schaller 3D-Brücke, neues Finish, Preci-Pickguard etc.). Über das Modell, das von der Form her eigentlich eher Precision Bass Special heißen könnte, gibt es hier und hier Infos. Toller Bass!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

03 ALTERNATIVE NATION

Ein Satz mit Bass

Wer sich wie ich einen Bass selbst zusammenschrauben möchte, kann dafür auf eine erstaunlich große Auswahl zurückgreifen. Nicht nur an einzelnen Parts, sondern auch an komplett montagefertigen Bausätzen. Die zum Teil verdächtig preisgünstig sind. Ein paar Beispiele:

Bei Rockinger, denen man in Sachen Qualität der Teile wohl durchaus vertrauen darf, gibt es allerdings nur Gitarren-Bausätze – die Rockinger Professional Guitar Kits.

Die großen Online-Shops für Musikinstrumente bieten auch Bausätze. Allen voran Thomann mit der Hausmarke Harley Benton. Unter anderem gibt’s da auch einen Bausatz für einen P-Bass. Und ich muss zugeben, dass dieser Bausatz die Inspiration für mein Projekt geliefert hat. Es gab (und gibt) allerdings ein Detail dabei, dass mich misstrauisch macht: der Preis. Ganze 89,- Euro. Für den kompletten montagefertigen Bausatz. Wie kann das möglich sein?

In diesem Preisbereich  bekommt man sonst vielleicht gerade mal einen (!) vernünftigen Preci-Pickup oder eine vernünftige Bassbrücke. Aber von Harley Benton einen kompletten Bausatz. Die Bewertungen im Online-Shop lesen sich zwar ganz OK, aber wer vertraut schon auf solche Texte? Andererseits: Für 89,- Euro kann man nicht viel falsch machen – oder?

Für das Jazz Bass-Pendant des Bausatzes gibt es auf Bonedo sogar einen wohlwollenden Artikel und Test. Und die dort verfügbaren Soundbeispiele hören sich durchaus überzeugend an. Aber ich bin trotzdem nicht überzeugt, dass dies mein Weg zum Bass-Glück ist. Und auch Experten haben mir aus Erfahrung davon abgeraten – davon später mehr.

Allerdings werde ich mir demnächst mal die online verfügbare Bauanleitung für den Harley Benton Preci-Bausatz genauer anschauen. Könnte aufschlussreich sein.

Hier noch kurz zwei weitere Bausatz-Alternativen:

Im Music Store gibt es einen Jack & Danny DIY Bausatz P-Style. Für 88,- Euro. Das Montage-Video sieht interessant aus – aber leider wird ein wichtiges Detail am Ende unterschlagen: Wie klingt der Bass?

Dann habe ich noch den ML-Factory-Gitarren-Shop entdeckt. Sehr spannend, was es da alles gibt! Vor allem Bass-Bausätze in erstaunlicher Vielfalt. Und zu erstaunlichen Preisen; es geht bei rund 160,- Euro los.

Doch mein Weg ist auch das nicht … Außerdem klingelt es gerade an der Tür. Mein Bausatz ist da! Beim nächsten Mal gibt’s Einzelteile zu sehen!

 

 

 

 

02 TENTATIVE DECISIONS

„Let me make clear my best intentions“

Ich habe lange gezögert, mein Bassbauprojekt anzufangen. Aber wie komme ich überhaupt darauf, einen Bass selbst zusammenschrauben zu wollen? Sagen wir mal so:  Die Aussichten für den Erfolg eines solchen Projekts waren nie besser als heute. Denn die Verfügbarkeit der dafür benötigten Teile ist heute sehr gut. Mein Vergleichshorizont ist dabei die Zeit, in der ich anfing, Gitarre und Bass zu spielen – also die Mitte der 1980er.

Es gab damals in Deutschland vor allem Rockinger in Hannover, die Teile für Gitarren und Bässe anboten. Was ich auch schon früh für diverse Umbauprojekte meiner Instrumente in Anspruch nahm – später mehr dazu. Von Rockinger gab’s auch das tolle Booklet „Das Manual“, in dem so ziemlich alles drinstand, was für Service, Wartung und Modifikation von Gitarren und Bässen wichtig ist. Die meisten Inhalte sind heute online bei Rockinger abrufbar. Über Rockinger erfuhr ich dann auch von Formentera Guitars. Tolles Konzept: Im Urlaub ein eigenes Instrument bauen. Für mich damals aber aus Zeit- und Geldgründen noch kein Thema. Heute glücklicherweise nur noch aus Zeitgründen. 😉

Außerdem hatte ich mir 1988 bei meinem ersten USA-Besuch dieses Buch gekauft:

Ein Klassiker der globalen Gitarrenbauszene, wie ich später lernte. In Neuauflagen immer noch gebraucht erhältlich. Und in meiner Paperback-Ausgabe von 1987 offenbar so gesucht, dass ich es wohl besser behalte und gut behüte. 😉 Ein tolles Buch, das aber sehr viel handwerkliches Können und Wissen voraussetzt. Oder den Willen, sich beides anzueignen. In allen Fällen Fehlanzeige bei mir. Handwerklich bin ich schon familiär wenig vorbelastet und hatte selten die Gelegenheit, da irgendwelche Fähigkeiten zu erlernen oder auszubauen.

Aber es entstand auf Basis all dieser Infos und Erfahrungen schon damals dieser Grundgedanke in meinem Kopf: „Man kann sich also durchaus selbst eine Gitarre oder einen Bass bauen. Nach den eigenen Vorstellungen. Und irgendwann mache ich das bestimmt auch mal!“

„Decide, decide – make up your mind“

Neben Formentera Guitars gibt es heute auch eine Menge weiterer Angebote, sich unter professioneller Aufsicht und Anleitung ein Instrument selbst zu bauen. Jeden falls eine E-Gitarre oder einen E-Bass. Die DIY-Klavierbauszene wartet übrigens  noch immer auf vergleichbare Möglichkeiten.

Zwei Beispiele: Die Instrumentenmanufaktur BassLine in Krefeld bietet Workshops, in denen man einen eigenen Bass bauen kann. Sogar mit zwei Optionen: Bei „Build your Bass (Paket A)“ wird ein Viersaiter im Fender Jazz Bass-Stil gebaut, mit zahlreichen Variationsmöglichkeiten. Wer es ganz individuell möchte, bucht „Build your Bass (Paket B)“ und kann seinen Traumbass von Grund auf  selbst konzipieren und bauen. Außerdem gibt es in Hannover die Gitarrenwerkstatt Stratmann Originals, die ebenfalls ein Workshopangebot zum angeleiteten Selbstau von Gitarre oder Bass bietet.

Es gibt sicherlich noch mehr Angebote in ganz Deutschland. Aber ich will zum Bassbauen nicht extra nach Hannover oder Krefeld (schöner Zufall, diese Aufnahme), ich will in Münster bleiben.

Also habe ich mich entschieden, mir die Teile online zusammenzustellen. Und zu Hause selbst zusammenzuschrauben. Der erste Teil war dabei relativ einfach – mehr dazu demnächst. Bitte nicht zögern, bis dahin folgenden Link zu klicken und das tolle, aber zu wenig gewürdigte Bassspiel von Tina Weymouth genießen: „Tentative Decisions“ !